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Fische für den Gartenteich

Teichfische – geeignete und problematische Arten für den Gartenteich

Autor: Dr. rer. nat. Bernd Teichmann

Fische im Gartenteich sind für viele Teichbesitzer unverzichtbar. Goldfische, Koi, Störe, Moderlieschen, Graskarpfen und viele weitere Arten werden gehalten. Darunter gibt es „ideale“ Teichfische aber auch problematische Fischarten – was dem Teichfreund aber häufig erst später bewusst wird.

Da sich viele Arten im Teich vermehren und gefüttert werden, ist die Wasserbelastung in Fischteichen häufig hoch. Eine angepasste Filterung ist in solchen Fällen empfehlenswert, um die Wasserqualität zu stabilisieren und unerwünschtes Algenwachstums einzugrenzen. Für kleine bis mittelgroße Gartenteiche gibt es effektive Kompaktfilter, größere Fischteiche und insbesondere Koiteiche benötigen leistungsstärkere Reihenfilter, Beadfilter oder z.B. Trommelfilter.

Biotopfische für Gartenteiche und Besatzfische für Angelteiche werden bei der Fischzucht Wetterfeld in eigenen Naturteichen vermehrt und aufgezogen. Eine empfehlenswerte Bezugsquelle für gesunde, robuste und an unser Klima angepasste Teichfische.

Teichfische für kleine bis mittelgroße Gartenteiche

Neben freiem Schwimmraum sind dicht bepflanzte Bereiche wichtig, sowie mindestens 100 cm Wassertiefe für eine sichere Überwinterung.

Moderlischen

(Leucaspius delineatus)

Länge: ca. 9 cm
Haltung: heimischer Schwarmfisch
Futter: kleine Wassertiere und Teichfischfutter
Verhalten: absolut friedlich – halten sich gerne in der Nähe der Wasseroberfläche auf – laicht im späten Frühjahr, wobei das Männchen Brutpflege betreibt.
Besonderheiten: Moderlieschen vertragen auch höhere Wassertemperaturen – diese Teichfische können sich stark vermehren.

Bitterling

(Rhodeus sericeus amarus)

Länge: ca. 7 cm
Haltung: ab einem kleinen Trupp von ca. 5 Bitterlingen
Verhalten: friedliche heimische Fischart
Futter: Wasserflöhe u.ä. sowie Pflanzenkost stehen auf dem Speiseplan – Flockenfutter wird ebenfalls gerne genommen
Besonderheiten: Bitterlinge vermehren sich mit Hilfe von Mahlermuscheln – die Eier werden in den Innenraum der lebenden Muschel gelegt und dort befruchtet, die Larven der Teichfische schlüpfen nach wenigen Tagen und die Fischbrut wird nach ca. vier Wochen mit dem Atemwasser der Muschel ausgeatmet. Fisch des Jahres 2008

Elritze

(Phoxinus phoxinus)

Länge: bis zu 10 cm
Haltung: einheimische Teichfische, benötigt sauberes und sauerstoffreiches Wasser – eine Belüftung ist meist sinnvoll – bevorzugt kühlere Wassertemperaturen – Schwarmfisch, mindestens 10 Elritzen zusammen pflegen
Futter: Elritzen fressen gerne pflanzliche Nahrung, aber auch kleinere Wassertiere und Trockenfutter
Verhalten: sehr lebhafte Teichfische, die gerne oberflächennah schwimmen
Besonderheiten: Elritzen können zutraulich werden und lernen schnell wann und wo es Futter gibt.

Goldfische

(Carassius auratus auratus)

Länge: bis zu 30 cm
Haltung: Goldfische sind gesellig, daher sollten mindestens 4 bis 5 Tiere zusammen gepflegt werden
Verhalten: recht verfressene Teichfische, dabei aber absolut friedlich – Goldfische wühlen gerne am Teichboden, was zu Wassertrübung führen kann, ein Teichfilter macht dann Sinn
Futter: tierische und pflanzliche Nahrung – für Goldfische im Aquarium und Gartenteich gibt es extra Futtersorten
Besonderheiten: Sie können sich reichlich vermehren, wobei der Nachwuchs zumindest im ersten Jahr schwarz ist. Bestimmte Farbformen des Goldfisches nennt man Shubunkin. Sie sind nicht nur rot gefärbt sondern können auch orangene, gelbe, weiße, bläuliche und schwarze Farbtöne zeigen. Auch Shubunkin sind ideale Fische für den Gartenteich. Manche Züchtungen sind im Winter etwas kälteempfindlicher als Goldfische.

Orfe

(Leuciscus idus)

Länge: als Teichfische bis zu 45 cm
Haltung: Orfen sind Schwarmfische und sechs Exemplare absolutes Minimum für den Besatz
Verhalten: heimische friedliche Fischart – benötigt viel Platz zum Schwimmen und ist sehr lebhaft – hält sich bevorzugt in der mittleren Wasserschicht auf
Futter: kleine Wassertiere, Flockenfutter und Futtersticks
Besonderheiten: die Farbvarianten dieser Teichfische sollten nicht unerwähnt bleiben: die Goldorfe, die Silberorfe und die Blaue Orfe – werden verschiedene Farbvarianten gemeinsam gepflegt, vermischen sich die Farben bei dem Nachwuchs.

Schleie

(Tinca tinca)

Länge: 30 cm, selten bis zu 50 cm
Haltung: heimische friedliche Teichfische – einzeln oder gruppenweise – die Schleie stellt an die Wasserqualität keine besonderen Ansprüche
Futter: Allesfresser – Schleien gehören zu den wenigen Teichfischen, die auch Schnecken vertilgen
Verhalten: eine Fischart, die vor allem am Boden leben und dort intensiv gründeln – dämmerungs- und nachtaktiv, daher sind Schleien tagsüber selten zu sehen
Besonderheiten: es existiert eine Goldfische ähnliche Zuchtvariante der Schleie – die Goldschleie, sowie die dreifarbige Schleie (rot, schwarz und weiß), die an Koi / Goldfische erinnert – Schleien sind geschätzte Speisefische, die schmackhafter als Karpfen sein sollen

Gemeiner Sonnenbarsch

(Lepomis gibbosus )

Länge: ca. 15 cm
Haltung: im Gartenteich am besten nur ein Tier! Ein Pärchen Sonnenbarsche kann reichlich Nachwuchs zeugen und in einem Gartenteich mit vielen dieser Barschen kommt keinerlei Insekten-, Amphibien- und Fischnachwuchs mehr hoch
Verhalten und Futter: Sonnenbarsche sind räuberische Teichfische, die auch Fischbrut und kleine Fische fressen – größere Fische können von ihnen nicht bewältigt werden und bleiben unbehelligt. Ein Sonnenbarsch ist aus diesem Grund ein idealer Räuber, um den Nachwuchs anderer Teichfische zu dezimieren.
Besonderheiten: Die farbenprächtigen Sonnenbarsche stammen aus Nordamerika. Um die einheimische Fischfauna nicht zu verfälschen, dürfen sie nicht in natürliche Gewässer ausgesetzt werden.

Koi und Störe für große ausgewählte Teiche

Diese beiden Teichfische lassen sich dauerhaft nicht ohne weiteres in einem „normalen“ Gartenteich pflegen.

Koi

(Cyprinus carpio)

Ausführliche Angaben finden Sie unter Koiteiche.

Länge: ca. 60 bis 80 cm
Haltung: diese Teichfische immer in einer Gruppe pflegen, da es soziale Tiere sind, die Artgenossen benötigen – artgerechte Haltung ausgewachsener Koi ist erst in Teichen ab ca. 20.000 l. und einer Tiefe von mindestens 1,5 m möglich – Koi verschmutzen das Wasser stark – eine leistungsfähige Filteranlage ist unumgänglich – die Farbkarpfen stammen aus Asien und bevorzugen warmes Wasser – 24 °C ist für Koi optimal
Futter: Wassergetier und sehr gerne Pflanzen – Koiteiche sind, abgesehen von absolut robusten Pflanzen, daher meist vegetationsfrei – zusätzlich hochwertiges Koifutter, damit die Karpfen ausreichend Reserven für den langen Winter aufbauen können
Verhalten: friedliche intensiv wühlende Teichfische – gelehrige und charaktervolle Persönlichkeiten
Besonderheiten: kleine Goldfische sehen Koi ähnlich, letztere besitzen aber zwei deutlich sichtbare Barteln am Maul – für spezielle Farbvarianten zahlen Liebhaber ausgesprochen viel Geld – Koi können sehr alt werden

Sterlet

(Acipenser ruthenus)

Länge: 70 bis 80 cm
Haltung: friedliche bewegungsfreudige Tiere für große Teiche – mindestens 1,5 m Wassertiefe – Sterlet sind Störe und benötigen sauerstoffreiches, sauberes möglichst kühles Wasser – eine effektive Filteranlage ist für diese Teichfische unumgänglich. Der Sterlet liebt deutliche Strömung – vermeiden Sie scharfkantigen Bodengrund, damit sich die Sterlet nicht verletzen – sie leben bodennah, durchwühlen den Teichgrund aber nicht – Wurzeln, Felsen und dichte Vegetation am Teichboden schränken die Bewegungsfreiheit dieser Art unnötig ein
Futter: Sterlet fressen alles Kleingetier am Teichboden – der Nahrungsbedarf ist groß – in Gartenteichen ist es notwendig, mit Störfutter zuzufüttern – Störe schwimmen auch schräge Teichwände ab – dann kommen die Tiere bis zur Wasseroberfläche
Verhalten: Sterlet sind Teichfische, die nicht rückwärts schwimmen können – es dürfen keine Fadenalgen im Teich wachsen – die Sterlet könnten sich in den langen Fäden verfangen und nicht wieder freikommen
Besonderheiten: vielfach werden Störe und Koi zusammen gehalten – da Koi warmes Wasser mit ca. 24°C bevorzugen und Störe kühle Wassertemperaturen, raten wir von dieser Vergesellschaftung ab – ältere Störe können handzahm werden – Sterlet erreichen ein Alter von bis zu 20 Jahren.

Problematische Teichfische

Aus sehr verschiedenen Gründen sind die folgenden Fischarten überhaupt nicht oder nur eingeschränkt als Besatz für einen Gartenteich geeignet:

Graskarpfen

(Ctenopharyngodon idelle)

„Algenfresser“ – häufig DAS Verkaufsargument für diese Teichfische. Aber an die Fadenalgen gehen diese Fische erst, wenn nichts anderes mehr zu fressen da ist. Als reine Pflanzenfresser werden Ihnen die Graskarpfen zuerst alle nur ansatzweise fressbaren Teichpflanzen vertilgen. Graskarpfen sind Teichfische für richtig große Anlagen, in denen kein Pflanzenwuchs erwünscht ist und trübes Wasser nicht stört. Graskarpfen stammen aus Asien – diese Teichfische werden bis zu 1 Meter lang. Graskarpfen sind winterhart aber für die Fortpflanzung ist es ihnen in unseren Breiten (noch) zu kalt.

In diesem Zusammenhang möchte ich besonders auf die Probleme, möglichen Folgen und Verbote hinweisen, die durch das Aussetzen von Gartenteichfischen in natürliche Grwässer entstehen können.

Dreistacheliger Stichling

(Gasterosteus aculeatus)

Diese kleinen heimischen Fischlein als problematisch zu beschreiben, mag auf den ersten Blick überraschen. Wenige Stichlinge in einem Gartenteich sind kein Problem. Leider können sich Stichlinge massenhaft vermehren – mehrere Gelege in einem Jahr sind nicht ungewöhnlich, wobei das Männchen das Revier und Nest extrem aggressiv, auch gegen größere Fische, verteidigt. Stichlinge sind räuberisch lebende Teichfische: Kaulquappen, Fischbrut, Insektenlarven, Wasserflöhe und andere Kleintiere werden von einer größeren Stichlingspopulation vollständig aufgefressen Diese zickigen, aggressiven und extrem räuberischen Fische sind keine Bereicherung für einen Gartenteich!

Blaubandbärbling

(Pseudorasbora parva)

Diese Teichfische wurden aus Asien eingeschleppt und besiedeln mittlerweile viele Gewässer in Europa. Es sind friedliche Karpfenfische, die sich extrem stark vermehren. In warmen Sommern können mehrer Generationen Blaubandbärblinge heranwachsen – auch und gerade im Gartenteich. In einem Jahr erreichen diese Teichfische ihre Endgröße von ca. 7 cm. Die Massenvermehrung der Blaubandbärbling stellt eine große Nahrungskonkurrenz für heimische Teichfische dar. Er darf, genau wie andere Exoten, auf keinen Fall in heimische Gewässer ausgesetzt werden!

Flussbarsch

(Perca fluviatilis)

Der Flussbarsch ist ein schneller aggressiver Raubfisch. Stimmt das Nahrungsangebot, können diese Teichfische schnell wachsen und bis zu 40 cm Länge erreichen – dabei kann der Flussbarsch Fische, Molche, Frösche etc. fressen, die halb so groß sind wie er selbst.

Störe

Es existieren ca. 30 Störarten, von denen die meisten teilweise oder ständig im Meer leben. Lediglich der Sterlet kann in größeren geeigneten Teichen gepflegt werden. Für sehr große und tiefe Teiche / Seen, mit sauberem sauerstoffreichem Wasser, kommt noch der Sternhausen (Acipenser stellatus) in Frage. Diese Teichfische erreichen „nur“ eine Länge von 1,5 m. Die übrigen Störe sind für Gartenteiche wegen ihrer Größe absolut ungeeignet – sie werden zwischen 2 und 4 m lang.

Weitere Informationen zur biologischen Vielefalt der Fische finden sich im Fischarten Atlas für Deutschland und Österreich. Die Verbreitung der Arten kann dort sehr präzise abgefragt werden. Viele Themen über Artenschutz, Gewässerrenaturierung, Fischtreppen, Kormorane etc. werden behandelt und umfangreiche Hinweise zu weiteren Quellen gegeben.